Unsere erste Performance ist fertig!

Die Story von Jess, Magda, Gabriel und Joana, Berlin 2016.

Erste Szene:

Magda und Jess führen ein geselliges Haus, in dem immer viele Freunde zu Gast sind und diskutieren. Heute sitzen Magda, Gabriel und Joanna zusammen, als Jess von der Arbeit kommt.

Gabriel: Hey Leute, ihr könnt euch das nicht vorstellen! Ich war gestern mit Freunden am Wannsee, so ein Sonnenuntergang! Wir hatten echt coole Musik dabei und die Welt war so peacy! Alle Leute waren gut drauf, das war eine riesige Party …. usw.

Jess betritt den Raum, sichtlich bedrückt.

Gabriel: Hey Jess, wie geht’s?

Joanna: Hi Jess!

Magda: Hi Jess, geht’s dir nicht gut?

Jess: Oh Leute, ihr könnt euch nicht vorstellen, was ich heute erlebt habe. Die Grundschule nebenan hat ein Notfallkind in unsere Praxis geschickt, 7 Jahre alt. So was habe ich noch nicht gesehen! Das Kind war komplett unterernährt. Es war weiß wie eine Wand und die Lippen blau. Es war in der Schule zusammengebrochen. Es wog fast die Hälfte von dem, was ein Kind normalerweise in diesem Alter wiegt. Ein deutsches Kind, geboren und aufgewachsen in unserem Land! Ihr könnt es euch nicht vorstellen. Das Gesicht so blass, die Augen so ängstlich, die Arme und Beine so dünn. Ein Toastbrot hat dieses Kind für eine ganze Woche, um sich zu ernähren… Ich, ich weiß nicht, es ist schockierend…dieses Kind hat nichts zu essen! Und das in Deutschland!

Magda: Und das, obwohl es so viel zu Essen gibt, so viel produziert wird und so viel jeden Tag weggeschmissen wird!

Joanna: Und wo wir so viel Geld ausgeben für fragwürdige Projekte, Milliarden für den Flughafen in Berlin, der nicht fertig wird, Millionen für eine Elbphilarmonie in Hamburg…

Gabriel: Wo so viel Geld in die Rüstungsindustrie und die Waffenexporte gesteckt wird…

Jess: Ja, wir müssen was unternehmen, aber was?

Joanna: Wir müssen auf dieses andauernde Unrecht aufmerksam machen. Überall auf der Welt hungern und verhungern jeden Tag Menschen und Kinder!

Magda: Da findet doch jetzt dieser G8 Gipfel in Berlin statt. Der Empfang ist im Schloss Bellevue bei unserem Bundespräsidenten. Können wir da nicht was organisieren, um die Mächtigen und Reichen auf dieses Problem aufmerksam zu machen?

Gabriel: Ja genau, da sind natürlich auch Fernsehen und Presse. Aber da kommen wir doch nicht rein!

Magda: Wieso nicht? (Magda wendet sich zu Joanna):

Hey Joanna, du bist doch eine Zuckerberg. Leute wie du sind doch da eingeladen? Kannst du das nicht für uns organisieren?

Joanna: Of course, i can and i will do it! Klar, das krieg ich hin! Aber was wollen wir da veranstalten?

Jess: Da hab ich schon eine Idee! Kommt mit!

 

Alle vier treten ab.

Zeite Szene: INTERAKTIV

Die jugendlichen Ausstellungsbesucher werden MitspielerInnen. Während Jess, Magda, Joanna und Gabriel sich im Nebenraum umkleiden, werden alle Besucher Mitspieler: sie sind die geladenen Gäste im Schloss Bellevue: Politiker, noble Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft. Sie stellen die Schönen, Reichen, Mächtigen unserer Weltgesellschaft dar. Sie beginnen Gespräche mit einem Glas in der Hand. Sie reden irgendwas, es ist laut, weil viele gleichzeitig sprechen…

Plötzlich treten die vier Akteure auf. Jeder hat ein Sandwich mit einer plakativen Aufschrift: STOPPT KINDERARMUT; GEGEN MASSENPRODUKTION; GEGEN MASSENKONSUM; SCHÜTZT DIE UMWELT

 

Die feine Gesellschaft ist überrascht. Unsere Akteure verschaffen sich Gehör, sie rufen laut:

 

STOPPT KINDERARMUT!

STOPPT MASSENPRODUKTION!

STOPPT MASSENKONSUM!

SCHÜTZT DIE UMWELT!

Und alle gemeinsam:

ACHTET DIE MENSCHENRECHTE!

 

Dann verteilen sie Fotos über Kinderarmut in Deutschland und der Welt.

 

Die Szene wird unterbrochen – Diskussion mit den Besuchern

Am Ende stehen zwei Möglichkeiten:

Variante 1): Der Mut und die Aktion von Jess und den Freunden hat sich gelohnt.

Variante 2): Wie Jesus von Nazareth stirbt Jess.

 

Variante 1:

Der Morgen danach. Jess, Magda und Joanna betreten die Bühne und setzen sich zusammen an den Tisch. (sitzen am nächsten morgen zusammen). Alle sind unheimlich euphorisch, gut drauf und super optimistisch.

 

Jess: Mann eh, was war das für eine Nummer! Ich glaub es noch immer nicht! Diese ganzen People haben uns zugehört!

Magda: Nicht nur zugehört! Alle wollen sich engagieren, Geld spenden, sich für die Kinder, die auf der ganzen Welt die Leidtragenden sind, einsetzen. Sie wollen helfen, das Umdenken für eine FAIRE WELT zu organisieren! Eh, Mann, was für ein Erfolg!

Joanna: Ja, sogar Putin hat sofort eine Stiftung mit Milliarden ins Leben gerufen, um unsere Initiative zu unterstützen! Ich fass es nicht!

Alle sind aus dem Häuschen vor Freude und Begeisterung. Da kommt Gabriel rein.

 

Gabriel: Hey, so super! Leute, ihr glaubt es nicht! Wir haben seit gestern über 90 Tausend LIKES im Channel! Kommt, ich zeig’s euch!

Alle folgen neugierig Gabriel – gehen ab.

 

Variante 2:

Aus dem Off ertönt über Lautsprecher die Stimme einer Nachrichtensprecherin mit folgendem Text:

Sehr geehrte Damen und Herren,

heute hat sich auf dem G8 Gipfel eine Tragödie ereignet. Nachdem sich vier Aktivisten unter die geladenen Gäste des Präsidenten Empfangs im Schloss Bellevue mischen und dort durch ihre Protestaktion auf Kinderarmut und andere weltweite Probleme aufmerksam machen konnten, wurde einer der Männer kaltblütig niedergeschossen. Wie die Untersuchungen ergeben haben, handelt es sich bei dem Täter um einen technischen Mitarbeiter des Bundespräsidialamtes, der einer rechtsradikalen Gruppe angehört. Das Opfer ist der 26 jährige Berliner Kinderarzt Jess N. Über das Motiv der Tat und die näheren Umstände liegen bisher keine weiteren Erkenntnisse vor.

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